Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf das interessante Projekt des OK Lab Stuttgart aufmerksam wurde, aber es hatte mich sofort gefesselt. Ursprünglich geboren aus der Idee, mit günstigen, selbstgebauten Sensoren die Luftqualität und Feinstaubbelastung in Stuttgart zu messen, zu visualisieren und die Daten öffentlich zugänglich zu machen, existieren inzwischen mehrere tausend Sensoren bundesweit sowie im Ausland. Einer davon hängt nun auch in Uelsen in der Grafschaft Bentheim.

Nicht zuletzt durch die aktuelle Diesel-Debatte ist das Thema Feinstaub in das öffentliche Interesse gerückt. Verursacher der Staubbelastung sind z.B. Industrie, Verkehr, Erosion, Landwirtschaft oder Privathaushalte. Auch das Wetter kann die Feinstaubkonzentration beeinflussen. Feinstaub kann in höheren Konzentrationen die Atemwege schädigen, Lungenkrankheiten verschlimmern oder Herzinfarkte verursachen. Definiert wird Feinstaub über die Feinstaubkorngröße PM (Particulate Matter), welche in µm gemessen wird. Der von luftdaten.info verwendete Sensor erfasst die Feinstaubkorngrößen PM10 (10 µm) sowie PM2,5 (also 2,5µm), für die in Deutschland Grenzwerte festgelegt sind.

Auf der Projekt-Homepage luftdaten.info finden geneigte Bastler alle Informationen zu den benötigten Komponenten, dem Einspielen der Firmware sowie dem sehr einfachen Zusammenbau. Programmier- oder Lötkenntnisse sind nicht erforderlich.

Materialbedarf und Kosten

Material für den Feinstaubsensor

Folgendes Material wird benötigt:

Die Materialkosten liegen lediglich bei etwa 30,- Euro. Wenn man die Teile einzeln bestellt, entstehen keine Versandkosten und man bleibt unter der Zollfreigrenze von 26,- Euro.

Firmware flashen

Die Firmware ist bereits fertig und muss nur noch auf die NodeMCU kopiert werden, was vor dem Zusammenbau passieren sollte. Auch der Flashing-Prozess wird auf der Projekt-Homepage im Detail beschrieben. Ein zusätzlicher Hinweis von mir: Die USB2Serial-Treiber (CH341 Chipsatz) für Windows habe ich hier gefunden: www.arduined.eu/ch340-windows-8-driver-download

ESP8266 flashing process

Zusammenbau Elektronik und Gehäuse

Nach dem Flashen erfolgt der Zusammenbau der Elektronik. Dabei werden der Feinstaubsensor SDS011 und der Sensor für Temperatur und Luftfeuchtigkeit DTH22 per Jumper-Käbelchen mit der NodeMCU ESP 8266 verbunden. Auf Wunsch lassen sich weitere Sensoren oder Displays an die NodeMCU anschließen.

Verkabelung des Feinstaubsensor

Der Kunststoffschlauch wird nun auf den Anschluss am Feinstaubsensor gesteckt. Per Kabelbinder werden die beiden Platinen miteinander fixiert. Danach erfolgt der Einbau in die zwei Winkelrohre. Dabei wird das USB-Kabel für die Stromversorgung sowie der Ansaugschlauch herausgeführt.

Zusammenbau des Feinstaubsensor

Um Vorzubeugen, dass sich Kleingetier in dem Gehäuse gemütlich macht, habe ich die Gaze eines Insektengitters über die Rohröffnungen gelegt. Mit einem Rohrhalter konnte ich den Sensor im ersten Stock neben einem Fenster montieren, wo er seit einigen Monaten ohne Probleme seinen Dienst verrichtet.

fertiger Feinstaubsensor

Nach dem ersten Einschalten arbeitet der Sensor als WLAN-Accesspoint. Nachdem man sich mit ihm verbunden hat, lässt sich der Sensor mit dem eigenen WLAN verbinden. Ab diesem Zeitpunkt werden die gemessenen Daten an luftdaten.info übertragen. Nach der Freischaltung ist der Sensor auf der Landkarte sichtbar. Hier meine Sensordaten:

Da die Daten öffentlich zur Verfügung stehen, lassen sich diese auch per API in die eigene Hausautomatisierung, z.B. per FHEM, einbinden.

Im meinem ländlich gelegenen Heimatort Uelsen habe ich nicht mit größeren Feinstaubkonzentrationen gerechnet, trotzdem gehen auch hier bei ungünstigen Wetterbedingungen die Werte zeitweise ordentlich nach oben. Es würde mich freuen, wenn sich weitere Interessierte aus der Grafschaft Bentheim einen Sensor bauen und online bringen, um mit den Gesamtdaten ein umfassenderes Bild über die Belastung in unserer Region zu erhalten. Aktuell sind zwei Sensoren online - da geht noch was! ;)


Kommentare aus meinem alten Blog

Die folgenden Kommentare wurden am 18. September 2026 aus meinem alten Joomla-Blog übernommen. Scrolle nach unten zum Kommentieren.

Niels Thijssen · Sonntag, 24. September 2017

Ich mochte gern info uber die verschiedene automatisch gegenerierte Grafik/charts, können Sie mir zeigen wie Sie dass configuriert hatte?


Jan · Montag, 25. September 2017

Hallo Niels, die Charts werden automatisch vom luftdaten.info - Projekt visualisiert. Darum braucht man sich selbst nicht zu kümmern. Wenn Du eigene Auswertungen mit den Daten des Sensor erstellen möchtest, gibt es dafür eine API: http://luftdaten.info/faq/#toggle-id-8


Niels Thijssen · Dienstag, 26. September 2017

Danke schon!